Mit welchem Gott lebst du?
Mit dem nahen oder mit dem fernen?

"Überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen", so ähnlich hat es der Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe einmal formuliert. Ganz viele Menschen, wohl zu allen Zeiten, werden es ähnlich empfunden haben oder empfinden: "Gott ist ganz weit weg. Er hat mit unserem Alltagsleben so gut wie nichts zu tun. Wenn überhaupt, dann hat er höchstens etwas mit den großen Linien der Weltgeschichte zu tun, aber nichts mit meinem kleinen Leben. Ich sehe ihn nicht, noch merke ich etwas von ihm." Der Völkermissionar Paulus hatte in der Weltstadt Athen seinerzeit eine interessante Feststellung gemacht. Weil die Menschen damals in der Vorstellung lebten, Gott bzw. die Götter sind unendlich weit weg, haben sie sich Altäre und Abbildungen ihres Gottes an bestimmten Punkten ihres Lebens gebaut. Und weil die Athener kluge Leute waren, haben sie sich aus lauter Vorsicht einen Altar gebaut, der dem "unbekannten Gott" gewidmet war. Weil kein Mensch auf dieser Erde mit einem "fernen Gott" leben kann, ist das so geblieben bis heute. Wir bauen und pflegen Opfer- und Kultstätten. Sie sehen heute sicher anders aus als zu Zeiten des Paulus. Z.B. spricht man von "Einkaufstempeln" und dem größten "Wolkenkratzer". Man opfert olympische Spiele den Göttern der Neuzeit, dem Profit etwa ...

Und nun sagt Paulus den Athenern etwas für mich Faszinierendes - und das ist der Bibelvers für den Monat Juli:

Keinem von uns ist Gott fern

Apostelgeschichte 17,27

In diesem Zusammenhang erzählt er seinen Zuhörern von dem Gott, der die Welt geschaffen hat, den Kosmos, die wunderbare Natur bis hin zu uns Menschen. Und dieser Gott ist nicht fern, sondern viel näher als das je ein Mensch ahnt und wahrnimmt. Mir hilft dabei immer das Beispiel eines Handys. Uns umgeben eine Unmenge von elektromagnetischen Wellen und im Normalfall merkt kein Mensch etwas davon, wie sie um uns herumschwirren, durch uns hindurchgehen. Aber wir können es sofort merken, wenn wir ein Handy einstecken haben und es in Betriebsbereitschaft ist. Wir können erreicht werden und können andere erreichen durch einen Anruf oder eine SMS. Die einzige Bedingung ist, dass ich feststellen kann, dass solche Funkwellen wirklich vorhanden sind, wenn ich auf Empfang schalte.

Das ist bei dem "nahen Gott" genauso. Ich kann ihn nicht sehen, genauso wenig wie die Funkwellen, aber ich kann auf Empfang schalten, d.h. ich muss eine grundsätzliche Entscheidung treffen: (Bei Handys gibt es Verträge). Ich muss einen Bund schließen: "Gott, ich will mit dir leben. Du sollst mein Herr sein. Ich will auf dich hören."

Ob Gott nah oder fern ist, liegt also nicht an Gott, sondern an einem jeden von uns selbst. Ich wünsche jedem Leser, ob zu Hause oder in der besonderen Zeit des Urlaubs, dass er "bei Gott auf Empfang" schaltet und damit den nahen, liebenden Gott erlebt.

Ihr Pfarrer Volkmar Körner