Wie die Sonne

Liebe Gemeindeglieder,

haben Sie sich schon mal als eine Sonne gefühlt? Manchmal sagen wir zwar über einen Menschen, er sei ein Sonnenschein, aber sich selbst als Sonne fühlen, klingt wohl doch etwas hochtrabend. Denn die Sonne ist ja die, an der sich alles orientiert.

Die den HERRN lieb haben sollen sein,
wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!

Richter 5,31

Der Monatsspruch für Februar spricht davon, dass wir Christen wie Sonnen sein sollen. Was kann ich mir darunter vorstellen? Das "sollen" lässt zunächst ungute Gefühle aufkommen. Es klingt nach Leistung und Befehl. Aber doch bringt es etwas wichtiges zum Ausdruck. Gott erhebt einen Anspruch auf unser Leben. Die Liebe, die wir von ihm erfahren und deren Antwort unsere Liebe zu ihm ist, kann nicht folgenlos bleiben. Ohne konkrete Taten ist sie nicht mehr als eine Worthülse. Es kommt darauf an, dass wir dieser Liebe unsere Hände und Füße, unsere Worte und Gedanken zur Verfügung stellen. Weil wir geliebt sind, sollen wir auch unseren Nächsten lieben. Manchmal ist der Nächste gerade der, den wir gar nicht so nah an uns heran lassen möchten.

Das "sollen" - und das ist das Wichtigste - ist aber zuerst ein "dürfen". Wer von Gottes Liebe angesteckt wird, der wird durch diese Liebe auch verändert. Sie verwandelt uns und macht uns zu neuen Menschen, wenn wir uns von ihr bescheinen lassen. Die Liebe selbst bewirkt es, dass Menschen nicht zuerst an sich selbst denken, dass sie für andere aktiv werden und Wärme und Licht verbreiten wie die Sonne. Dies ist nichts, was wir aus uns selbst heraus tun könnten, es ist eine Frucht der Liebe, die Gott in unsere Herzen ausgegossen hat und immer wieder neu ausgießen will.

Wir dürfen für andere leuchten. Ist das nicht ein schönes Bild in einer oft recht dunklen Welt? Wir mögen uns nicht als "große Leuchten" fühlen, aber wir sind es, weil Gottes Kraft in uns wirken will. Lassen wir uns davon anstecken und zum Leuchten bringen? Wo kann ich praktisch zum Licht für meinen Nächsten werden? Diese Frage soll uns begleiten durch die kommenden Tage. Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen damit. Mit den besten Segenswünschen Ihr

Pfr. Dr. Thomas Knittel