Das Leid ist nicht das Letzte

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Römer 8,18

Das schreibt der Völkermissionar Paulus nicht auf einer schönen Urlaubsreise, nicht auf einer gemütlichen Sofaecke, aus einer guten Distanz zum Leiden. Er schreibt diesen Brief an die Römer gegen Ende seiner 3. Missionsreise, nachdem er Vieles und ganz Unterschiedliches erleiden musste wie Flucht vor den Nachstellungen der Juden, Steinigung, Kerker - und das alles mit Todesaussichten - und vieles mehr. Wenn Paulus also von Leiden spricht, dann aus ganz elementarer und eigener Erfahrung.

Das Erste, was mir an diesem Wort des Paulus wichtig wird: Auch oder gerade Christen können leiden, bzw. werden nicht am Leiden vorbeigeführt. Es gibt gerade unter Christen so viele leidvolle Erfahrungen, die andere Menschen vielleicht gar nicht kennen: Wenn die Kinder andere Wege gehen z.B. von der Gemeinde weg, oder wenn wir miterleben müssen, wie in manchen uns liebgewordenen Ehen und Familien gelitten wird und wir können außer dem Gebet nichts dagegen tun. Oder da gibt es so viele Krankheitsfälle und wir beten darum, dass Gott als der Arzt aller Ärzte eingreift und es geschehen so wenig klare und eindeutige Heilungen.

Aber - und das ist eine Erkenntnis des Apostels, die ich mir immer wieder selbst aneignen möchte: Das Leid ist nicht das Letzte und das, was unser Leben nachhaltig prägen soll. Das was uns prägen soll, ist das Ziel, worauf unser Leben hinausläuft, die Herrlichkeit bei Gott. Aus dem Blickwinkel der Herrlichkeit wird alles Leid nicht mehr ins Gewicht fallen.

Der verstorbene Jugendpfarrer Johannes Busch erzählte einmal: "Ich war als Soldat monatelang auf dem Kubanbrückenkopf. Es war eine böse Zeit. Unvergesslich der Tag, als mir gesagt wurde, dass ich in Urlaub fahren dürfe. Das war freilich eine beschwerliche Reise. Acht Tage lagen wir auf der Bahn, dichtgedrängt unter Gluthitze. Wir haben auf dieser Reise schrecklichen Durst gelitten. Die Nächte waren eine Qual. Aber wenn mir einer gesagt hätte, ich soll aussteigen um der beschwerlichen Reise willen, dann hätte ich ihn laut ausgelacht. Ich hätte ihm fröhlich erklärt: Ich reise gern noch vier Wochen so, ich reise ja nach Hause. Der Gedanke, dass es zur Heimat ging, machte alle Strapazen, Nöte und Qualen sehr klein. Wenn die Nacht nicht vergehen wollte, dann eilten die Gedanken voraus: Ich reise nach Hause, ich reise nach Hause!" Unser Leben ist keine Fahrt ins Blaue, auch keine Fahrt ins Unbekannte, ins Nichts. Wir wissen, wo es hingeht. Und man kann es nicht treffender beschreiben, als mit dem einen Wort: nach Hause in die Herrlichkeit des himmlischen Vaters.

Das war das Ziel des Apostels Paulus. Ist das auch unser ausgesprochenes Ziel?

Pfarrer Volkmar Körner