Leben oder Sterben

Schwindelanfall, Stechen in der Brust, Atemnot: Alarmstufe 1!

Der Krankenwagen ist schnell zur Stelle. Mit Blaulicht zur Notaufnahme. Vor der geschlossenen weißen Tür wartet der Sohn auf den Arzt. "Wie steht es um den Vater - wird er leben oder sterben?"

Die Tasse fällt ihr aus der Hand. Sie kann nicht mehr richtig zufassen. Die Computertomographie bringt es an den Tag: Gehirntumor. Bange Frage - werde ich leben oder sterben?

Er hat alle Brücken hinter sich abgebrochen. Er steht auf der Brücke. Er starrt in die gähnende Tiefe. Sie ist wie ein Sog, der ihn hinabreißen will. Quälende Ungewissheit: Leben oder sterben?

Ausgemergelte Gestalten hinter Stacheldraht, ausgehungerte Kinder in einem Flüchtlingslager, abgestumpft, teilnahmslos. Wenn das Leben seinen Glanz und das Sterben seinen Schrecken verloren hat, dann macht es keinen Unterschied mehr, ob leben oder sterben. Es ist sowieso alles gleich...

Vier Schlaglichter für Zerreißproben des Lebens. Leben oder sterben - wie gehen wir damit um?

Der Christ Paulus bekennt:

Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

Römer 14,8

Eine alte lateinische Inschrift lautet: DOMINISUMUS. In großen Buchstaben steht es da: "Wir sind des HERRN". Er hat die Zerreißproben des Lebens durchlitten. Er hat das Tal des Todes durchschritten. Er ist des Todes HERR geworden. Der Tod hat seinen Anspruch auf uns verloren. Er darf uns nicht für immer behalten. Wir gehören Jesus Christus, dem Ostersieger. Er hat seine Hände um uns gelegt. Wir kommen ihm nicht mehr abhanden, wenn wir seine Hände nicht abschütteln.

Komm, steig ein, in das "Schiff, das sich Gemeinde nennt", in den "Kahn der fröhlichen Leute", die in den Zerreißproben des Lebens getrost und guten Mutes singen: "Leb ich, Gott, bist du bei mir, sterb ich, bleib ich auch bei dir, und im Leben und im Tod bin ich dein, du lieber Gott!" (Evangelisches Gesangbuch 408, 6). Wir können sie nicht allein durchhalten, diese Gewissheit. Wir brauchen die Vergewisserung durch die Anderen, ihre Ermutigung, ihren Beistand.

Vergiss sie nicht, behalt sie im Herzen, die Antwort auf die Lebensfrage Nummer 1: "Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele, im Leben und im Sterben nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin." (Heidelberger Katechismus aus dem Jahre 1563; Evangelisches Gesangbuch 808).

In diesem Sinne: Ein frohes, gesegnetes Osterfest!

Ihr Pfarrer in Ruhe Ronald Sporn, Neustadt