Groß sind die Werke des Herrn

Groß sind die Werke des Herrn, kostbar allen, die sich an ihnen freuen.

Psalm 111,2

Das ist so richtig ein Wort für den Urlaub! Wenn wir am Meer stehen und das gewaltige Wogen der Wellen vor uns sehen, wenn wir in den Alpen zu den majestätischen Gipfeln der Dreitausender aufschauen, wenn wir hier in der Heimat oder vielleicht sogar im Sinai auf dem Mosesberg einen eindrucksvollen Sonnenaufgang oder -untergang miterleben, dann kommt vielen von uns das Lied in den Sinn:

„Großer Gott, wir loben dich, Herr wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.“

Der 111. Psalm, in dem unser Monatsspruch steht, ist auch solch ein Loblied auf die Werke Gottes. Dieses Lied - bei dem im Urtext übrigens jeder Halbvers alphabetisch immer mit dem nächsten Buchstaben anfängt - wurde für das Volk Israel gemacht und immer besonders am Passahfest gesungen. In ihm lernte Israel, Gott für seine Werke zu loben, die sie als Volk erlebt hatten: dass er sie aus Ägypten gerettet hatte, dass er mit ihrem Volk einen Bund geschlossen hat, dass er sie immer wieder mit Speise und allem Nötigen versorgt, ja sie lernten sogar schon für den angekündigten Erlöser, der erst noch kommen wird, zu danken!

In Fortführung dessen können wir nun als christliche Gemeinde erst recht dafür danken, dass der Erlöser gekommen ist! Wir können Gott preisen für das Erlösungswerk Jesu Christi und dafür, dass das alles auch für uns geschehen ist!

Ich meine, wir sollten die Worte des Monatsspruchs vor allem ganz persönlich auf uns und unser Leben beziehen! Schon jedes neugeborene Kind ist ein wahrhaftes Wunderwerk Gottes! Auch unser Körper und seine einzelnen Organe mit ihren Funktionen und ihrem Zusammenspiel sind ein Kunstwerk, das Gott geschaffen hat. Und wie viele Werke Gottes haben wir jeder im Laufe unseres Lebens dann noch erlebt! Etwa: Gottes Führung in schwerer Zeit, Bewahrungen in Gefahr, Heilungen von Krankheit. Wie viele Probleme gab es, die Gott in unserem Leben dann wunderbar gelöst hat! Haben wir in dem allen sein Wirken erkannt?

Ein älterer Bruder in der Gemeinde sagte mir vor vielen Jahren: „Jeden Morgen, wenn ich wieder aus dem Bett aufstehen kann, hole ich zuerst ganz tief Luft und sage dann laut: So viel habe ich zu danken!“ Es stimmt: ohne dass sich Gott uns immer wieder liebevoll zuwendet, gäbe es uns längst nicht mehr. Das ist jeden Tag Grund, um zu danken!

Aber unser Monatsspruch bringt auch zum Ausdruck: Um das zu erkennen, muss man eine Antenne dafür haben! Anders ausgedrückt: man muss offen sein für Gottes Tun, Freude haben an Gottes Werken und Dankbarkeit für sie empfinden. Sehr schön hat Rainer-Friedemann Edel in seiner Übertragung der Psalmen diesen Vers wiedergegeben: „Wie groß sind die Erweise von der Macht und Liebe Gottes! Wer Freude daran hat, erforscht sie und denkt viel darüber nach.“

Ich glaube, das Wunderbarste an Gottes Werken haben wir bisher noch gar nicht gesehen. Das zu sehen ist uns vorbehalten, wenn wir in der Ewigkeit sind! Paul Gerhardt lässt das in seinem berühmten Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ schon anklingen:

„Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du's uns so lieblich gehen
auf dieser armen Erden, was will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden?“

Es grüßt Euch alle herzlich Euer Helfried Gneuß, Pfarrer i.R.