Gutes tun

Wer nun weiß, Gutes zu tun,
und tut's nicht, dem ist's Sünde.

Jakobus 4,17

Im alten Rom wurde der Feldherr nach einem Sieg triumphierend empfangen: Menschen säumten die Straßen. Voller Begeisterung riefen sie und grüßten. Erst zog das Kriegsheer durch die Menge. Dann folgte er, der Feldherr, auf dem Viergespann - der Quadriga. Doch hinter ihm auf dem Wagen stand ein Sklave. Der brüllte ihm unablässig ins Ohr: „Gedenke daran, dass du auch nur ein Mensch bist!“ Mir ist, als ob Jakobus mit seinen wenigen Worten mir unablässig ins Gewissen ruft: Gedenke daran, dass Du ein Sünder bist! Und er hat recht damit! Jakobus - übrigens eine der hervorragensten Gestalten der noch jungen Gemeinde in Jerusalem - Jakobus hält mir meine Verantwortung vor die Augen: die Verantwortung gegenüber Menschen, ja, die Verantwortung Gott gegenüber. Dieser Verantwortung kann sich keiner entziehen: Wer weiß, Gutes zu tun ... Wissen Sie es denn nicht? Es gibt niemanden, der ernsthaft von sich behaupten könnte: „Ich weiß ganz und gar nicht, was ich Gutes tun kann.“ Und nun diese deutlichen Worte: „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist's Sünde.“ Da wird über jemanden unfreundlich geredet und ich weiß: „Jetzt müsste ich eigentlich etwas dagegen sagen“ - sage aber nichts: Sünde. Eine Panne oder ein Unfall am Straßenrand; allen Beteiligten geht es zwar gut, Hilfe wäre dennoch willkommen und ich halte nicht an: Sünde. Ich fahre jemanden beim geringsten Anlass unhöflich und forsch an und weiß: „Eigentlich müsstest du dich jetzt entschuldigen.“ - bleibe aber stumm: Sünde. Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Wenn ich an solche und ähnliche Situationen denke, höre ich die Mahnung des Jakobus: Gedenke daran, dass Du ein Sünder bist!

Doch Jakobus hat mir noch mehr zu sagen. So heißt es einige Verse weiter: „Bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“ (Jakobus 5,16) Ist das nicht eine großartige Sache? Wir dürfen die Sünde bekennen, vor Gott bringen, und füreinander beten. Gott vergibt - wenn wir unsere Schuld unter das Kreuz Jesu bringen. Denn das war das Ziel SEINES Triumphzuges: das KREUZ. So zieht Jesus ein in Jerusalem und ritt auf dem Esel, lässt sich gefangen nehmen, martern, schlagen, verhöhnen und verspotten; lässt sich ans Kreuz nageln. Um alle Sünde, alle verpassten Gelegenheiten, alle Schuld auf sich zu nehmen. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“, so staunt der Prophet Jesaja.

Die letzten Tage des Kirchenjahres brechen nun an: Der Ewigkeitssonntag kommt näher. Gelegenheit, über unsere Verantwortung nachzudenken - den Menschen gegenüber, Gott gegenüber: Möchte ich in alle Ewigkeit auf die Vergebung der Sünde verzichten? Oder möchte ich dabei sein, wenn Jesus einmal wiederkommt und triumphiert, so dass Sünde, Tod und Teufel endgültig weichen müssen? Mögen Sie mit Jesus auf dem Weg bleiben,

Ihr Pfr. z.A. Jörg Grundmann