Andacht im Gemeindebrief

Jesus Christus spricht:
Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr's empfangt, so wird's euch zuteil werden.

Markus 11,24

"So, meine Inge, nun zeig mal dem Herrn Pfarrer, wie schön du beten kannst", sagte eine Mutter zu ihrer Tochter, als der Pfarrer einen Hausbesuch machte. Das Kind betete mehrere kleine Gebete her, aber mit Widerstreben. "So, und nun, liebe Frau, zeigen Sie einmal, ob Sie beten können", sprach der Pfarrer zu der Mutter. Sie entgegnete: "Nein, Herr Pfarrer, das können Sie doch nicht von mir verlangen, das ist doch was ganz anderes."

Das, was in dieser kleinen Geschichte deutlich wird, ist schon ganz richtig so: Gebet ist nicht eine Demonstration meines Glaubens. Gebet ist zunächst nicht dazu da, um den anderen zu zeigen, wie ich glaube. Gebet ist vielmehr die Grundlage meines Lebens mit Gott. So wie der Fisch das Wasser zum Leben braucht, so braucht der Mensch das Gespräch mit Gott.

Aber zum anderen ist es wohl auch richtig, wie es einmal jemand formuliert hat: "Zeige mir dein Gebetsleben und ich sage dir, was dir dein Glaube wert ist."

Dass wir mit Gott reden können und wie wir mit ihm reden können, nämlich wie ein Kind mit seinem liebenden Vater, darin liegen die größten Chancen und Möglichkeiten, unser Leben reich und sinnvoll zu machen. Wenn uns Jesus, wie hier in dem Spruch für den Monat Februar (und dazu noch an vielen anderen Stellen seines Wortes) dieses großartige Angebot macht, IHM alle unsere Bitten, Sorgen, Probleme, hinzulegen - und er versprochen hat, dass wir dann Empfangende sein werden - dann ist das doch geradezu dumm und arrogant, das nicht in Anspruch zu nehmen.

Allerdings macht uns Jesus hier an dieser Stelle auf etwas aufmerksam, was eine Gefahr unserer Gebete sein kann: Beim Beten geht es zunächst nicht um das Aufsagen gelernter Gebete, so gut manche von ihnen sein mögen. Bei dem Gespräch mit Gott, dem Herrn dieser Welt, geht es zuerst um mein ganz schlichtes Reden mit ihm, dass ich alles das, was mich bewegt, mit ihm berede. So wie ein Kind mit der größten Selbstverständlichkeit Dinge mit der Mutter oder dem Vater bedenkt, so will es Gott, dass wir alles das, was uns bewegt, mit ihm bereden.

Ich wünsche Ihnen beim Benutzen dieses Monatsspruches zwei Dinge: Erstens, dass Sie glauben können, wie großartig sie bei Gott dran sind; und zweitens, dass Sie ganz konkrete Erfahrungen damit machen.

Jesus gibt seine Versprechen nicht dazu, dass wir darüber diskutieren, sondern dass wir sie ganz persönlich annehmen und dadurch mit ihm unsere großen Erfahrungen machen.

Ihr Pfr. Volkmar Körner