Eure Freude soll niemand von euch nehmen

Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

Johannes 16,22

Sie lesen Auszüge einer Predigt, die Martin Luther verfasst hat:

Dies ist ein Stück von der Trostpredigt, welche der Herr seinen Jüngern des Nachts gehalten hat. Als die Anfechtung dann kam, und sie den Herrn Jesum schmählich sterben sahen, da konnten sie nicht denken, dass es nur ein Kleines wäre; sondern so standen ihre Herzen: Es wäre nun mit dem Herrn Christus ganz aus. So geht es uns auch; wenn Gott ein Unglück über uns kommen lässt, da ist bald der erste Gedanke: jetzt ist es aus, es ist keine Hilfe noch Rat zum helfen. Wir wollen uns weder sagen noch singen lassen, dass es nur um ein Kleines zu tun ist. Darum werden wir kleinmütig, können nichts anderes als schreien und klagen. So doch, wie Paulus sagt, wir uns in der Anfechtung freuen und rühmen sollten: nicht allein wegen der zukünftigen Hilfe wegen, denn die wird nicht ausbleiben, wenn wir nur glauben und an dem Wort halten; sondern auch darum, dass wir durch das Kreuz, als durch eine gewisse Probe, mögen erkennen, dass wir Gottes Kinder sind. Auf das nun solcher Trost schnell möge gefasst werden, wollen wir jetzt vom Kreuz und Leiden reden. Die Vernunft redet so, wo Gott ein Auge auf uns hätte und uns liebte, so würde er alles Unglück von uns nehmen und uns nicht leiden lassen. Gegen solche Gedanken aber, die wir von Natur haben, müssen wir uns mit Gottes Wort rüsten, und nicht wie wir denken, sondern wie das Wort uns sagt, urteilen. Denn urteilen wir außer und ohne das Wort, so ist unser Urteil falsch und verführt uns. Was sagt nun das Wort? Nicht ein Haar kann von unserem Kopf fallen, es sei denn der Wille Gottes lässt es zu. Darum, wo ein Christ das Kreuz fühlt, soll er sich nicht weich machen lassen, dass er nicht mehr denn weinen und klagen wollte. Er soll gedenken: Ich habe einen gnädigen Gott im Himmel, der hält mich und will durch solche Anfechtung mich meiner Sünden erinnern, und mich zur Buße mahnen, dass ich frömmer werden und mich vor Sünden bewahren soll, und sein Kind bleiben. Gleich aber wie das Wort vom Kreuz und Leiden uns gepredigt wird, also sehen wir es in dem Beispiel Jesu auch. Wer kann sagen, dass der allmächtige Vater seinen eingeborenen Sohn nicht lieb gehabt habe? Und dennoch siehe sein Leben und Sterben an, ist nicht die Liebe groß und verborgen, dass, wer dem äußerlichen Ansehen nach urteilen wollte, müsste sagen, Gott sei ihm von Herzen feind. Wie nun Gott seinen Sohn hier auf Erden gehalten hat, so will er alle Christen auch halten. Nun ist es aber besonders fein, dass der Herr den Jüngern deutet, was für eine Freude ihnen widerfahren soll. " Ich ", spricht er, " will euch wieder sehen ". Solches ist am heiligen Ostertag geschehen, da sie ihn in einem neuen, ewigen Leben gesehen haben. Also sieht uns Christus auch, und unser Herz freut sich, wenn wir seine Auferstehung vor uns nehmen, und sehen, wie er für uns Sünde, Tod und Teufel überwunden hat, dass wir durch ihn auch ewig leben sollen. Das ist die rechte beständige, ewige Freude, die allen Kummer wendet. Darum sollen wir unter dem Kreuz nicht ungeduldig und kleinmütig sein, sondern diesen Trost festhalten, wenn wir leiden. Denn Christus ist auferstanden und sitzt zur Rechten seines Vaters, dass er dem Teufel und allen Jammer wehren, und uns ewig selig machen will. Das verleihe uns unser treuer Gott und Vater, durch seinen Sohn und unseren Erlöser, Christum Jesum, Amen.