Wie du mir, so ich dir!

Auch wenn die Blutrache und Selbstjustiz verboten ist, ist sie wohl noch lange nicht aus unseren Herzen verschwunden. - Wie viele Familien sind über Generationen hinweg miteinander verfeindet und zerstritten. Und wenn man nachfragt, was denn der Anlass dazu war, dann weiß keiner mehr Genaues dazu zu sagen. Aber aufeinander zugehen, das „Kriegsbeil vergraben“, dazu ist man auch nicht in der Lage. Hin und wieder ist das nicht nur in Familien so, sondern manchmal auch im Gemeindealltag. Nun haben wir für diesen Monat März einen Monatsspruch, der uns den einzig gangbaren Weg aufzeigt, wie wir miteinander umgehen sollen. Es geht in diesem Text nicht nur um eine von vielen Möglichkeiten, sondern es geht um eine klare Anordnung.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr.

3. Mose 19,18

Und diese klare Anordnung kommt von höchster Stelle, von Gott dem Schöpfer unseres ganz persönlichen Lebens und des Lebens in der Gemeinde. Weil wir seine Geschöpfe sind, weiß er, was das Beste für uns ist. Und er weiß auch, was wir leisten können. Vier Schritte sind es, die uns zu einem heilen und von Gott her gedachten Leben führen können und wollen:

1. Schritt: GOTT LIEBT MICH! Ich darf und soll wissen, dass ich ein Original Gottes bin. Gott hat mich gewollt. Er hat mich geschaffen mit Stärken und Schwächen. Vielleicht sind die Schwächen gerade das Wichtigere dabei, weil sie mir deutlich machen, wie sehr ich Gott brauche. Das musste ausgerechnet so ein Mann wie Paulus erfahren: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Gott hat mich lieb. Das gilt nach allen Seiten hin uneingeschränkt.

2. Schritt: GOTT LIEBT MEINEN NÄCHSTEN! So wie Gott mich liebt, genauso und mit der gleichen Intensität liebt Gott meinen Nächsten. Das gilt auch für meinen schwierigen Nächsten. Auch ihm hat er Stärken und Schwächen gegeben. Gott traut uns das zu, dass wir damit zurecht kommen.

3. Schritt: ICH DARF MICH LIEBEN! Wenn Gott mich liebt, dann habe ich keinen einzigen Grund, mich weniger zu lieben. Jeder von uns darf und soll sich lieb haben. Einer, der sich selbst nicht liebt, ist schwer in der Lage, andere zu lieben. Sich selbst lieben, heißt z.B. mit seinem äußeren Erscheinungsbild (dem Körper) und mit seinen Begabungen und mit den Gaben, die er nicht hat, Frieden geschlossen zu haben.

4. Schritt: ICH SOLL MEINEN NÄCHSTEN LIEBEN! Weil Gott mich lieb hat, weil er meinen Nächsten genauso lieb hat, deshalb ist es ja nur logisch, meinen Nächsten zu lieben. Wenn ich die ersten drei Schritte erkenne und für mich annehme und wenn Gott mein HERR ist, dann gibt mir Gott seine Kraft und Ausrüstung dazu.

Pfarrer Volkmar Körner