Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz

Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz

Lukas 12,34

Eine andere Übersetzung, die mir sehr zum Verstehen dieses Verses geholfen hat, lautet: "Woran euer Herz hängt, dort zieht es euch hin".

Ja, woran hängt unser Herz? Vorsicht mit vorschnellen, ach so frommen Sprüchen wie "Mein Herz hängt an Jesus allein"! Wir wollen ehrlich bleiben! Wenn ich mich frage, woran mein Herz hängt, dann fallen mir zuerst Menschen ein, die mir nahe stehen: der Ehepartner, die Kinder und natürlich auch besonders die Enkel. Wenn unser jüngster, gerade mal ein Jahr alter Enkel mir seine Arme entgegenstreckt und von mir hochgenommen werden will - welches Großvaterherz wird da nicht weich? Solche zwischen-menschlichen Herzensbindungen sind etwas Natürliches. Gott verwehrt sie uns nicht. Im Gegenteil, er hat ja diese Menschen in unser Leben gestellt und freut sich darüber, wenn wir uns mögen und gut miteinander können.

Woran hängt unser Herz noch? Das Herz vieler Vogtländer hängt an ihrer Heimat. Auch das ist nichts Verwerfliches. Denn unsere Heimat ist doch sein Geschenk. Es soll Menschen geben, die gemütskrank werden, wenn sie drei Tage lang nicht den Kirchturm ihrer Heimatstadt sehen können.

Es gibt auch Menschen, deren Herz hängt an dem Haus oder Anwesen, das sie sich geschaffen und aufgebaut haben. Es ist schließlich normal, dass man eine innere Beziehung zu seinem Lebenswerk hat. Gott verwehrt uns auch das alles nicht - unter einer Voraussetzung: Dass alle diese Dinge in unserem Herzen nur den zweiten Rang einnehmen und der erste Platz Gott vorbehalten bleibt!

Ludwig Schneider erzählte einmal, wie das war, als er das Mädchen seiner Träume - sie hieß Barbara - fragte, ob sie seine Frau werden will. Er sagte es ihr mit den Worten: "Der erste Platz in meinem Herzen ist allerdings schon vergeben, der gehört Jesus. Aber wenn du mit dem zweiten zufrieden bist, dann wäre ich sehr glücklich". Sie verstand ihn und erwiderte, bei ihr wäre es genauso und auch er könne bei ihr nur den zweiten Platz haben, weil der erste Gott gehört. Damit war für die beiden alles geklärt und ihre Ehe hat durch die Jahrzehnte bis heute gehalten. Genau darum geht's: Gott soll vor allen anderen Dingen stehen. Und unser Herz soll zuallererst und vor allen anderen Dingen an ihm hängen. Wenn diese Priorität geklärt ist, gewährt uns Gott auch, dass wir uns der anderen Dinge freuen dürfen, die uns sonst lieb und wichtig sind.

Woran unser Herz hängt, dort zieht es uns hin - Hängt unser Herz jedoch in erster Linie an materiellen Gütern und Zielen, wie Geld und Karriere, dann wird es immer weiter von Gott weggezogen, die Dinge werden uns zu Götzen und unser Leben verliert den Segen Gottes. Hängt unser Herz gar an der Sünde und an gottlosen Dingen, dann erhalten diese Dinge immer mehr Macht über uns und wir können uns dieser Bindungen sehr bald nicht mehr erwehren. Am Ende ziehen sie uns hinein in die ewige Verdammnis.

Hängt unser Herz aber zuallererst an Jesus und dem Reich Gottes, dann erleben wir dabei auch ganz praktisch, dass es uns hinzieht zu einem Leben mit ihm und in eine immer tiefere Gemeinschaft mit ihm: wir bekommen eine wachsende Freude am Gebet, wir erleben ein immer stärkeres Bedürfnis, im Worte Gottes zu studieren, uns zieht es dort hin, wo sich Christen versammeln und wir bekommen Hunger nach dem Mahl, in dem Jesus leibhaftig zu uns kommt. Wir kommen mit der Zeit immer enger in die Verbindung mit Jesus und tiefer hinein ins Reich Gottes.

Lasst uns an dieser Stelle mal innehalten: Wo zieht es uns denn nun wirklich hin?

Es grüßt Euch Euer

Pfarrer Helfried Gneuß