Wachet und betet

Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!

Matthäus 26,41

Liebe Leser,

„Not lehrt Beten“, sagt der Volksmund. Doch was, wenn noch nicht einmal die Not beten lehrt? Was wenn wir die Erfahrung machen müssen: „Ich kann nicht mehr beten. Selbst in der Not“?

Jesus betet im Garten Gethsemane. Der Name bedeutet „Ölkelter“. Wie die Oliven zu Öl gekeltert werden, so wird unser Herr in diesem Garten gekeltert. Er ringt mit seinem Leiden. Er bittet, dass ihm das Kreuz erspart bleibt, „doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Der Leidenskelch geht nicht vorüber. Jesus muss ins Leiden hinein, will er dem Willen seines Vaters gehorchen. Und das Leiden beginnt in diesem Garten: „Wie oft hat der Herr Antwort bekommen von seinem Vater!?“ Doch nun bleibt die Antwort aus: nur ein Engel stärkt den Herrn. Jesus geht den Weg, der mit dem Ruf enden wird: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

„Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt“, mahnt Er vorher seine Jünger. Die Not wird auch sie in Anfechtungen bringen: „Ist Jesus wirklich der Christus, Gottes Sohn?“ „Haben wir nicht auf das falsche Pferd gesetzt?“ Der Zweifel wird sie heimsuchen. Deshalb: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ Doch was tun die Jünger? Sie schlafen ein. So kommt, was kommen musste: Jesus wird verhaftet. Mit den eigenen Mitteln wollen die Jünger etwas dagegen unternehmen: Petrus schlägt dem Soldaten das Ohr ab. Jesus wehrt ihm. Da fliehen die anderen Jünger. Nur Petrus wagt es mutig weiter, dem Verhaftungskommando zu folgen. „Das wäre doch gelacht, wenn ich in der Not klein bei gebe!“ Im Garten beim Palast des Hohenpriesters jedoch übermannt ihn die Not. Eine einfache Magd fragt ihn: „Du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa“! Da leugnet der Mutige ab: „Ich weiß nicht, was Du sagst“ Dreimal leugnet er. Damit verließ auch der Mutigste der Jünger seinen Meister und Herrn.

Not lehrt beten – die Jünger lernen vor allem eines in der Not: die Flucht. Keiner von uns hat die Garantie, dass er nicht in der Not klein bei gibt und den Herrn verlässt. Keiner kann sagen: „Ich schaffe das schon. Ich werde wohl in der Not noch beten können.“ Deshalb ruft uns Jesus zu: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ Betet auch jetzt, wo es euch gut geht! Denn beten zu können in der Not, das ist Gnade, das ist Gottes Geschenk! Es ist Geschenk, wenn wir selbst in Stunden, wo Gott unheimlich weit weg zu sein scheint, erfahren: „Der Herr ist nahe.“ Viele Menschen, denen das Gebet in der Not geschenkt wurde, bezeugen das: „Das Gebet hat mich durchgetragen!“ Das Gebet in der Not ist ein Wunder. Seine ganze Kraft entfaltet es, wenn wir jetzt schon das Beten lernen.

Ist mir angst, so flehe ich zu dir, mein Gott. Ob ich auch nichts sehe, du bist da in Not. Du bleibst mein Erretter, du erhörst mein Schrei'n; wirst in Sturm und Wetter Fels und Burg mir sein. AMEN.

Ihr Pfr. Jörg Grundmann