Derhoam is derhoam

Gott spricht: Nur eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.

Jesaja 54, 7

Liebe Leser,

„Derhoam is derhoam“: In vielen Wohnungen ist mir dieser gutvogtländische Spruch schon begegnet. Mal ist er auf Papier geschrieben und hängt in einem Bilderrahmen, mal ist er aus Holz geschnitzt. Jeder von uns hat ein Bild von dem Ort, von dem er sagen würde: Dort bin ich zu Hause. Manchmal ist das die eigene Wohnung, manchmal auch die Kinderstube, in der wir großgeworden sind, manchmal die Wohnung von Großeltern oder von lieben Bekannten, bei denen wir uns sofort heimisch gefühlt haben. Eine Vorstellung von „zu Hause“ hat jeder Mensch. Und doch sind so viele ein Leben lang auf der Suche nach einem „zu Hause“: Sie reisen in der Welt umher oder häufen ihren Besitz an, um sich das ideale „zu Hause“ zu schaffen, andere ertränken ihre Sehnsucht im Alkohol. Das Leben vieler Menschen erinnert daran, wie die Bibel das Leben von Kain beschreibt: „unstet und flüchtig auf Erden“ (1. Mose 4, 14).

Auch das Volk Israel hat solche Zeiten erlebt: als ganzes Volk musste es „unstet und flüchtig“ leben. Ein bedeutender Einschnitt war die Verbannung nach Babylon. Gott hatte sein Volk in die Hände der Babylonier gegeben. Warum? Warum ließ Gott das zu, dass sein Volk so unstet und flüchtig leben musste und in Gefangenschaft geriet? Weil es vorher in seinem Herzen schon „unstet und flüchtig“ war: es zog von Götze zu Götze, es suchte sein Heil in militärischen Bündnissen und politischen Verträgen; es suchte seine Hilfe fern von Gott. Da musste Gott sein Volk wieder erinnern: „Wisst Ihr nicht, dass ich Euer Gott bin? Habt Ihr vergessen, dass ich Erde und Himmel geschaffen habe? Ich bin doch allein Eure Hilfe!“ (vgl. Jesaja 40)

Gott muss sein Volk verlassen, um es wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Doch er verließ es nur eine „kleine Weile“. Danach sammelt er es. Er brachte es heim nach Israel. Diese Bewegung ist seit der Gründung des Staates Israel ganz neu angebrochen und dauert bis heute an: Gott sammelt sein Volk heute aus allen Völkern heraus wieder in sein Land. Doch er hat noch mehr vor: Gott will sein Volk heim bringen in sein Reich. Deshalb sandte er den Herrn Jesus Christus, seinen Sohn. ER ist in die Welt geboren worden, um die „verlorenen Schafe des Hauses Israel“ zu sammeln. Er ist aber auch gekommen, weil er noch andere Schafe hat, die sind nicht aus diesem Stall sind. Jesus sagt: „auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.“ (Johannes 10, 16) Diese Schafe sind wir. Lassen wir uns in der Advents- und Weihnachtszeit wieder ganz neu sammeln um seine Krippe. Dort wartet ER auf uns. Und wo ER ist, da ist „derhoam“!

Herr Jesus, bringe mich heim zu dir, denn allein bei dir bin ich geborgen. AMEN.

Ihr Pfr. Jörg Grundmann