Alles erlaubt?

Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.

1. Korinther 10, 23​-​24

„Alles ist erlaubt!“ – Nehmen wir diesen Satz aus dem Zusammenhang der Bibel, dann wird er zu einer gefährlichen Waffe. Wenn alles erlaubt ist, macht jeder, was er will. Dann gibt es keine Grenzen mehr. Ob ehebrechen, stehlen, töten oder lügen – all das wäre keine Sünde. Wir wollen also genauer fragen, was Paulus meint.

Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth. Einige Korinther bilden sich ein, sie könnten als Christen ein zügelloses Leben führen: „Unsere Sünde wird doch vergeben. Können wir dann nicht machen, was wir wollen?“ Paulus muss sie warnen: „Menschen, die Unzucht treiben oder Götzen anbeten, die die Ehe brechen oder mit Partnern aus dem eigenen Geschlecht verkehren, Diebe, Wucherer, Trinker, Verleumder und Räuber werden nicht in Gottes neue Welt kommen.“ (1. Korinther 6, 9 – Gute Nachricht) Bis heute sind die Verführungen in unserer Welt groß. Wie schnell brechen Christen Gottes Gebote. Nein, dazu gibt Paulus keinen Freibrief.

„Alles ist erlaubt“ – das schreibt er an Christen, an sie, die Gottes Sohn frei gemacht hat (vgl. Johannes 8, 36). Sie sind frei gemacht von der Herrschaft der Sünde in ihrem Herzen. Alles Eigensüchtige und alles Eigensinnige hat Jesus weggenommem. Nun sind sie frei. Sie können Gott lieben aus ganzem Herzen und auch den Nächsten, ja sogar die Feinde. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan“, schreibt Martin Luther. Alles, was wir im Glauben an den Herrn Jesus tun, ist gut. Da leben wir in der Freiheit Gottes.

Genau das ist aber auch die Prüfung für alles, was wir tun: „Tue ich es wirklich mit Jesus? Dient es zur Erbauung der Gemeinde? Diene ich in Verantwortung vor Gott meinem Nächsten? Oder suche ich mein eigenes Vorwärtskommen?“ Was ich ohne Jesus tue – das ist Sünde.

Als Christen leben wir in zwei Welten. Äußerlich leben wir noch in dieser Welt mit ihren Verführungen und Attraktionen, mit ihrer Lust, mit ihrer Angst. Innerlich aber leben wir schon mit dem lebendigen Gott und gehören zu seinem Reich. Für den äußerlichen Menschen dieser Welt gilt nicht: „Alles ist erlaubt!“ Er lässt sich zu sehr treiben von seinen Stimmungen. Aber es gilt für unseren inneren Menschen. Denn der stellt sich gern in den Dienst von Jesus und tut, was dem Herrn gefällt. „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“, schreibt Martin Luther weiter.

Darum geht es: dass wir Jesus im Blick haben, wenn wir handeln. Dann müssen wir uns auch nicht von dieser Welt einschüchtern lassen. Was wir in Jesu Namen tun, führt Gott zum Ziel. Nur dass wir's für Jesus tun – und in seiner Liebe auch für unsere Nächsten.

„Vergibst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen; ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen, dem nicht verzeihn, dem du vergibst, und den nicht lieben, den du liebst?“ AMEN. (EG 412,6)

Ihr Pfarrer Jörg Grundmann