Tempel des lebendigen Gottes

Paulus schreibt: „Wir sind der Tempel des lebendigen Gottes.“

2. Korinther 6,16

Liebe Leser,

wenn ich in einer fremden Stadt bin, gehe ich gerne in eine Kirche hinein, deren Tür für Besucher offen steht. Dort komme ich zur Ruhe. Dort erlebe ich die Gegenwart Gottes mehr als draußen in der Unruhe der Stadt. Kirchen sind Orte, wo wir Gott begegnen und ihn anbeten können. Das Kreuz auf dem Altar, die Bilder auf der Altarwand, in katholischen Kirchen auch das ewige Licht über dem Altar zeigen uns an, dass diese Kirche dem Dreieinigen Gott geweiht ist. Hier können wir ihn finden, hier können wir ihn anbeten.

Egal wo man in Europa hin kommt, in jeder Stadt und in den meisten Dörfern trifft man auf Kirchen. Die meisten fallen einem von weitem ins Auge. Denn sie bestimmen das Stadtbild mit. Mir sagen diese Kirchen: Gott wohnt in der Stadt. Durch seinen Geist ist er gegenwärtig. Er lässt sich von denen finden, die ihn suchen.

Was für uns Christen die Kirchen sind, das war für die Juden der Tempel. Bis zu seiner Zerstörung im Jahr 70 n. Chr. stand er in Jerusalem. Hierhin kamen die Menschen, um Gott anzubeten und ihm zu opfern. Hier wussten sie, dass sie ihm nahe sind. Von den Stufen des Tempels aus sprach ihnen der Priester die Vergebung zu.
Für die Juden war es eine Katastrophe, als der Tempel zerstört war. Der Wohnort Gottes war damit zerstört.

Für die Urchristen hatte der Tempel keine Bedeutung. Die Judenchristen distanzierten sich von ihm, nachdem sie Jesus Christus angenommen hatten. Sie brauchten keine Opfer mehr zu bringen. Christus hatte ja sich selbst geopfert, um sie mit Gott zu versöhnen. Die nichtjüdischen Christen hatten den Jerusalemer Tempel nie gekannt. Diesen ersten Christen schreibt Paulus: „Wir sind der Tempel des lebendigen Gottes.“ So wie Gott im Jerusalemer Tempel wohnte, so wie wir die Begegnung mit Gott in einer Kirche suchen, so wohnt Gott auch in uns. „Ich bin ein Ort Gottes“, bekennt der Theologe und Schriftsteller Jörg Zink. Durch seinen Geist hat er in uns Christen und in seiner Gemeinde Wohnung genommen. Menschen begegnen Gott nicht nur in einer leeren Kirche, wohin sie sich zum Beten zurückziehen. Menschen begegnen ihm auch, wenn sie in die Gemeinschaft von Christen kommen. Sie begegnen ihm, wenn sie Christen begegnen.

Kirchen in einer Stadt sind Hinweise auf die Gegenwart Gottes. Gemeinden und Christen in einer Stadt machen die Gegenwart Gottes in der Stadt erfahrbar. Und - Bin ich ein Ort Gottes, dann soll ich auch so leben, dass Gottes Name nicht in ein schlechtes Licht gerückt wird. Ein Christ, der sich selber vernachlässigt und in Sünde verharrt ist wie eine Kirche, die langsam verfällt: kein gutes Zeugnis für Gottes Gegenwart. Amen

Es grüßt Sie Ihr Pfarrer Eckhard Graubner