So schaue darauf

So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.

Lukas 11,35

Was haben wir nicht alles heute schon gesehen? War es nur gut, was wir sahen? Bilder prägen sich tiefer in der Seele ein als viele Worte. Ein Bild in meiner Seele kann ich nicht einfach löschen. Aber es hat seine Wirkung auf mich. Konsumiere ich die vielen Bilder von Gewalt und Leid, dann stumpft meine Seele ab. Oder ich sehe diese ganze Welt nur noch als eine einzige Katastrophe. Schaue ich mir schmutzige Bilder an, dann vergiftet das die Seele. Jesus sagt: „Dein Auge ist das Licht des Leibes.“ Es ist das Fenster, durch das das Licht der Umwelt in mich scheint.

Mein Arbeitszimmer geht zur Hauptstraße hinaus. Im Winter, wenn die LKW‘s am Lutherhaus vorbeidonnern, dann spritzt der Matsch bis hoch an die Arbeitszimmerfenster. Dann hilft das Putzen nicht sehr viel: Im Nu sehen die Fenster wieder aus, als wären sie ein Jahr lang nicht geputzt worden. Nun, mit der Zeit gewöhne ich mich an diesen Anblick, auch wenn er deprimiert. Doch wie herrlich ist das, wenn wir die Fenster putzen. Dann sind sie wieder strahlend hell. Das Sonnenlicht fällt ungebrochen in mein Arbeitszimmer. Aber es ist ärgerlich, wenn dann die ersten Spritzer wieder auf dem Fenster zu sehen sind.

Wenn der Herr Jesus uns durch sein Blut reinwäscht, dann reinigt er nicht nur unser Herz, nein, er reinigt uns ganz, auch unseren Leib und unsere Augen. Wie bedrückend ist es, wenn die ersten Flecken der Sünde uns wieder besudeln. Deshalb sagt der Herr: „Dein Auge ist das Licht des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter“ – also sauber – „ist, so ist dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei.“

Deshalb möchte ich darauf achten, was ich mir ansehe. Schaue ich mir das an, was Gott geschaffen hat, was seinem Willen entspricht und ihm gefällt, dann wird meine Seele danken und loben. So hat es Paul Gerhardt gemacht, als er Pfarrer in dem vom 30jährigen Krieg zerschundenen Mittenwalde wurde. Er dichtete: „Geh aus mein Herz und suche Freud …“ Da zeigt er seiner Seele und seiner Gemeinde die Wunder Gottes in der Natur: die Blumen, den Weizen, die Tiere. Er stimmt ein wunderbares Gotteslob an, weil seine Seele davon erfüllt ist. Schaue ich mir aber die Gewalt, den Streit und den Schmutz an, den viele Fernseher und Computer Tag für Tag in unsere Wohnungen bringen, dann muss ich mich nicht darüber wundern, dass meine Seele besudelt wird.

Als unsere große Tochter geboren wurde, sahen wir noch die Zwillingstürme von New York in Schutt und Asche versinken. Bald darauf haben wir den Fernseher auf den Bode nverbannt. Da habe ich bemerkt: Nicht die Bilder informieren mich, sondern das Wort. Radio und Zeitung geben viel umfassendere Informationen. Und die wichtigste Information ist Gottes Wort. Es zeigt mir das, was meiner Seele gut tut.

Herr Jesus Christus, Du zeigst mir die Spuren Deiner Herrlichkeit in meiner Umgebung und in meinem Alltag. Öffne mir dafür die Augen. AMEN.

Ihr Pfr. Jörg Grundmann