Aus Gottes Kraft

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

Apostelgeschichte 14,17

Eine komische Szene wird uns hier geschildert: Paulus und Barnabas waren auf ihren Missionsreisen in die Stadt Lystra gekommen. Dort begegnete ihnen ein Mann mit gelähmten Füßen. Paulus sah ihn an und erkannte seinen Glauben an Jesus Christus. Da sprach er ihn an und der Mann konnte aufstehen und seine Füße waren gesund. Das war die Sensationsmeldung in der Stadt. Die Menschen strömten zusammen mit Opfergaben in den Händen. Sie hielten Paulus und Barnabas für ihre Götter, die auf die Erde gekommen waren und wollten sie anbeten. Die beiden hatten erhebliche Mühe, sie davon abzubringen und ihnen den wahren, lebendigen Gott zu verkündigen, dass sie ihn anbeten. Dabei weisen sie mit dem oben zitierten Vers auf die Taten hin, mit denen sich Gott bezeugt hat. Es sind Werke, die jeder sehen kann, die wir Menschen aber oft nicht wahrnehmen, weil sie uns als selbstverständlich erscheinen.

Eine komische Szene: Das Volk wollte zwei sterbliche Menschen als Götter anbeten und ihnen Opfer bringen? Wie dumm waren denn die! Oder gibt's das etwa heute auch?

Im Februar vergangenen Jahres starb die Sängerin Whitney Houston am Drogenkonsum. Sie ist an dem Ruhm zerbrochen, von ihren Fans wie eine Göttin verehrt zu werden. Ein Beispiel von vielen Prominenten, die an dem Ruhm, der ihnen entgegen gebracht wird, krank werden. Denn die Kehrseite des Ruhmes ist, dass man Fehlerlosigkeit, Perfektion erwartet. Wenn sie einmal versagen, einmal nicht mehr die Leistung bringen, die die Fans von ihnen gewohnt sind, dann stürzen sie ab.

Aber nicht nur Prominente behandeln wir wie Götter. Auch Menschen in unserem Alltagsumfeld sind immer weniger bereit, Fehler und Versagen zuzugestehen. Von Ärzten erwarten wir, dass sie immer perfekt arbeiten und keine Fehler machen, und dass ihre Behandlung die bestmöglichen Ergebnisse bringt. Ebenso erwarten wir es von Personen in anderen verantwortlichen Positionen. Versagen darf nicht sein. Der Mensch muss funktionieren und sein Tun maximale Ergebnisse bringen.

Und welche Ansprüche haben wir an uns selbst? Und welche Ansprüche und Erwartungen haben andere an uns? Dürfen wir versagen? Trauen wir uns selbst, zu versagen, zu scheitern, etwas ohne Erfolg getan zu haben? Oder haben wir uns zum Erfolg verdammt, um vor uns und in den Augen anderer bestehen zu können? Wir tun oft so, als läge unsere Existenz allein in unseren Händen, als hinge es allein von uns ab, dass unser Tun Früchte bringt.

Der Monatsspruch ist hier sehr hilfreich: Wir haben einen Gott, der uns versorgt. Er gibt sich uns zu erkennen in vielen alltäglichen Dingen, die wir für so selbstverständlich halten oder gar nicht mehr wahrnehmen. Hier erkennen wir unseren Gott und wie wunderbar er an uns handelt.

Paulus heilte den Gelähmten aus Gottes Kraft. Was wir sind und haben, das haben wir von Gott empfangen. Was wir tun und vollbringen können, das kommt aus seinem Segen. Unsere Stärken sind Gaben, die wir von ihm empfangen haben, unsere Schwächen auch. Wir setzen beides ein im Vertrauen, dass Gott trotz unserer Fehlbarkeit Gutes daraus werden lässt. Versagen und Scheitern gehören zu unserem Leben. Wir sind nicht zur Vollkommenheit berufen, wir sind keine Götter. Wir sind dazu berufen, Gott zu vertrauen und ihn durch uns wirken zu lassen. Er will sich durch uns den Menschen zeigen. Daran hindert ihn unsere Gebrochenheit nicht. Das entlastet. Gott sei Dank müssen wir keine "Götter", sondern dürfen Menschen sein. Amen

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfr.

Pfarrer Eckehard Graubner