Die Wahrheit

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

Matthäus 5,37

Wer kennt nicht die eidesstattlichen Erklärungen von Politikern und hohen Wirtschaftsvertretern, die in den Medien ihre Unschuld mit vielen Worten beteuern? Eine Woche später treten sie dann zurück, weil ans Tageslicht gekommen ist, dass sie die Öffentlichkeit ganz dreist belogen haben.

Ja, mit der Wahrheit ist das so eine Sache. Dabei gibt es wohl keinen Menschen, der nicht schon gelogen hätte.

Lügen kann zur Angewohnheit werden. Wenn ich zur Lüge greife, komme ich vielleicht um manche unangenehme Situation herum. Doch in Gottes Augen, der die Dinge durchschaut, klappt das wohl eher weniger.

Man kann sich aber auch genauso gut angewöhnen, die Wahrheit zu sagen. Das klappt zwar nicht immer so, wie man das gern hätte, ist aber sicher der bessere Weg. Ich glaube, hier hilft wirklich eine Grundentscheidung weiter. Will ich wirklich grundsätzlich versuchen, die Wahrheit zu sagen, auch wenn es mir einen Nachteil einbringt? Will ich zu den Dingen stehen, die ich getan habe? Ehre ich mein Gegenüber so, dass er es mir wert ist, die Wahrheit zu hören? Im Zusammenhang unseres Textes, der übrigens ein Teil der Bergpredigt ist, redet Jesus davon, dass die Leute nicht schwören sollen.

Bei diesem Schwören geht es um eine damals verbreitete Unsitte. Es war eine deutliche Bekräftigung, dass ich eben die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesagt habe. Ist das nötig? Jesus meint nein. Wenn wir normalerweise die Wahrheit sagen, dann braucht es keine besonderen Beteuerungen unserer Wahrheitsliebe - selbst wenn wir erkennen, unser Gegenüber glaubt uns nicht. Es ist fraglich, ob uns dann geglaubt wird, wenn wir unsere Aussage mit einem Schwur bekräftigen.

Ich glaube, der Gedanke, der hinter Jesu Ausführungen steckt, ist dieser: Wenn ich davon ausgehe, dass ich bemüht bin, immer die Wahrheit zu sagen, dann ist es Unsinn, mit mehr als einem Ja oder Nein zu reagieren. Wir wissen aus der Bibel, wer der Vater der Lüge ist und wir wissen auch, dass Gott Lüge hasst. Jesus sagt von sich: Ich bin die Wahrheit.

Und wenn ich gelogen habe? Verliere ich dann völlig mein Ansehen in den Augen meines Gegenübers, wenn ich es zugebe und mich entschuldige?

Ich glaube nicht. Ich denke, das Gegenteil wird der Fall sein. Denn eine Lüge, einen Fehler zuzugeben, ist bestimmt ein guter Weg, die eigene Glaubwürdigkeit wieder herzustellen.

Lutz Heidrich

Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind.

Epheser 4,25