Bleibt in meiner Liebe!

Jesus Christus spricht: „Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe!“

Johannes 15,9

Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die ihren Vater in frühester Kindheit verloren haben. Der 2. Weltkrieg forderte viele Menschenleben, darunter auch das Leben vieler Väter. Manche Kinder dieser Zeit haben ihren Vater nie kennengelernt. Andere besitzen noch etwas ganz Persönliches von ihm. Der Wert dieser Dinge ist oftmals nicht der Geldwert, sondern die Liebe des Vaters, an die diese Dinge erinnern. Wir alle haben einen Vater, der uns etwas ganz Persönliches geschenkt hat. Er hat uns seine Liebe geschenkt: In seinen Sohn Jesus Christus hat er sie hineingelegt. Sein Wertvollstes hat er für uns gegeben, weil er uns liebte.

Es ist kurz vor Jesu Kreuzigung. Judas ist schon unterwegs, um sein unheilvolles Werk zu tun und Jesus zu verraten. Da erklärt Jesus seinen Jüngern, warum er diesen Weg ans Kreuz gehen muss: aus Liebe. Und er zeigt ihnen drei Wahrheiten über den Weg der Liebe Gottes:

1. Der Vater hat den Sohn lieb: Jesus wusste, dass der Vater ihn liebt. Immer wieder zog er sich zurück, um mit Gott zu reden. Immer wieder erhörte ihn der Vater und erfüllte die Bitten des Sohnes. Als Jesus Lazarus aus dem Grab ruft, betet Jesus: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich weiß, dass du mich allezeit hörst“. So sehr liebt der Vater den Sohn, dass er ihn allezeit anhört und auf sein Bitten eingeht! In den Psalmen dürfen wir einen Blick in das Geheimnis tun, wie der Vater den Sohn liebt: „Meine Hand soll ihn erhalten, und mein Arm soll ihn stärken. Die Feinde sollen ihn nicht überwältigen und die Ungerechten ihn nicht demütigen … Seine Hand lass ich herrschen über das Meer und seine Rechte über die Ströme. Er wird mich nennen: Du bist mein Vater“ (Psalm 89). Jesus ist seinen Feinden entronnen, er hat Macht ausgeübt über Wind und Meer und hat den Sturm gestillt, er hat Gott seinen Vater genannt. Das Geheimnis seiner Macht ist die Liebe des Vaters zu ihm.

2. Der Sohn hat die Gemeinde lieb: Aus Liebe ging Jesus ans Kreuz, aus Gehorsam zum Vater und aus Liebe zu uns! Die Strafe, die wir verdient hätten für unsere Schuld, die nahm er auf sich. So liebt Jesus. Und nichts tut er lieber, als uns allezeit anzuhören und auf unser Bitten einzugehen. Er, der uns seine „Freunde“ nennt, möchte uns vergeben und uns gern geben, worum wir in seinem Namen bitten.

3. Seine Gemeinde soll in seiner Liebe bleiben: Die Liebe des Vaters und des Sohnes ist keine eigensüchtige Liebe. Es ist Liebe für andere, seine Liebe für uns. Zu solcher Liebe möchte er uns erwecken: dass wir IHN lieb gewinnen und den anderen so lieben können, wie ER liebt. Das ist gerade in unserer Zeit eine schwierige Aufgabe. Wir leben in einer sehr selbstsüchtigen Zeit. Misstrauen wird gesät, jeder pocht auf sein Recht, Ärger und Angst gewinnen die Oberhand. „Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten“, sagt Jesus über unsere Zeit. Umso wichtiger ist es, in seiner Liebe zu bleiben, wenn uns Menschen, Umstände und Ereignisse da herausziehen wollen. Seine Liebe ist der höchste Wert!

Lass mich in deiner Liebe fest bleiben und wachsen. AMEN.

Ihr Pfarrer Jörg Grundmann