Warten

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.

Psalm 130,6

Manchmal spitzen sich die Dinge in unserem Leben zu! Du siehst schlimme Entwicklungen, die kaum aufzuhalten sind, und kannst nichts dagegen tun. Gibt es da noch Hilfe? Die Bibel hat einen Rat, der überrascht: Die Hilfe heißt: „warten“. Warten auf den Herrn! Die Bibel ist voller Beispiele von Menschen, die in solche Situationen geführt wurden: Denken wir nur an Josef. Seine Verlobte ist schwanger vom Heiligen Geist. Zunächst zweifelt er, doch dann bringt ihm ein Engel die Botschaft von Gott: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ (Matthäus 1,20-21) Er nimmt Maria, die noch Jungfrau ist, zu sich und berührt sie nicht. Das Kind wächst und gedeiht in ihrem Leib, da kommt der Erlass des Kaisers Augustus: Alle sollen sich in Steuerlisten eintragen lassen – in ihrem Geburtsort! Für Maria und Josef heißt das: nach Bethlehem reisen. Hochschwanger! Das sind schon allein 120 km Luftlinie: zunächst durch die Jesreel-Ebene, dann – wenn sie als fromme Juden überhaupt diesen Weg gehen würden – durchs samaritanische Bergland hinauf übers Gebirge Juda. Oder es bedeutet, den Umweg durchs Jordantal nehmen und dann einen Höhenunterschied von fast 1400 m überwinden! Eine steile Gebirgstour im 9. Monat! Nach dem langen und beschwerlichen Weg kommen sie endlich in Bethlehem an – da ist das Dorf überfüllt mit Menschen. Kein Quartier zu bekommen! Was nun? Alle Klugheit ist am Ende. Ein Mensch wie Josef kann nur noch sagen: „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.“ Und Gott sorgte: Ein Stall mit einer Futterkrippe wird zum Ankunftsort für das Kind in dieser Welt. Nicht gerade ideal, oder? Doch so erfüllt Gott seine Verheißungen: Er sendet seine Engel, die den Hirten die Botschaft bringen, lässt einen Stern aufgehen über diesem Ort. Alles, was im Alten Testament über die Geburt Jesu vorausgesagt wird, erfüllt Gott. Und Maria und Josef haben keinen Mangel: Sogar mit Gold, Weihrauch und Myrrhe werden sie versorgt. In einem Lied heißt es: „Gott wird einen Weg bahnen, wo kein Weg zu sehen ist.“ Manchmal sind solche Unwägbarkeiten, in die wir gestellt sind, Vorzeichen dafür, dass Gott eingreifen will, wenn wir sie ihm nur überlassen. Deshalb lasst uns festhalten an seinem Wort – auch wenn das der Zeitgeist gern verhindern will – und hoffen, denn Gott wird seine Verheißungen erfüllen!

„Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;
mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe Israel auf den HERRN!
Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.
Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.“ (Psalm 130,6-8)

Nun hat uns dein Wort, Herr, wieder einen Schatz gezeigt von dem Reichtum, der in deiner Erlösung für uns bereitliegt: Unsere Hilfe steht in Deinem Namen. In jeder Situation. Dafür preisen wir Dich. AMEN.

Ihr Pfarrer Jörg Grundmann