Entlastet

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.

Psalm 38,10

Wo wenden Sie sich hin, wenn Sorgen Sie belasten? Haben Sie jemanden, bei dem Sie sich aussprechen können? Wir können uns mit unseren Sorgen nicht jedem anvertrauen. Wir merken sehr schnell, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht. Wir spüren auch, wer zuhören kann und wer nicht. Nicht jeder will uns anhören. Manche Menschen sind mit ihren eigenen Problemen zu sehr belastet, dass sie sich nicht noch auf die Sorgen von anderen einlassen können.

Ich erlebe bei Gesprächen oft, wie froh die Menschen sind, wenn ihnen jemand zuhört. Allein das hilft schon. Zuhören entlastet den, der sich aussprechen konnte. Man muss nicht immer einen guten Rat geben. Oft kann man es auch gar nicht. Das Zuhören allein ist oft schon ein wichtiger Trost. Manchen Menschen fällt es schwer, über ihre Sorgen und Nöte zu reden. Sie schämen sich dafür. Sie vergleichen sich mit anderen, die scheinbar keine Sorgen haben und bei denen alles gut zu gehen scheint. Oder sie wollen andere nicht mit ihren persönlichen Dingen belasten. Doch Sorgen in sich rein zu fressen tut unserer Seele nicht gut. Sorgen verdauen sich nicht. Sie liegen schwer im Magen. Sie führen zu Bitterkeit oder Resignation. Es ist wichtig, sie auszusprechen und sich selbst damit zu entlasten. Ich habe selber schon erlebt, wie meine Sorgen klein wurden nur indem ich sie ausgesprochen habe. Der Wochenspruch sind Worte aus dem Psalm 38. Es ist ein Psalm von David. Seine ganze Not bringt er in diesem Psalm vor Gott. Er spricht von seinen Sünden, die schwer auf ihm liegen, von Anklagen und Häme, die er von anderen aushalten muss, von Kraftlosigkeit. Er empfindet das alles so, als würde Gottes Zorn auf ihm liegen und ihn niederdrücken. Aber dennoch spricht er alles vor Gott aus. Er weiß, dass Gott ihn hört und anhört. Er weiß, dass alles, was ihn bedrückt, vor Gott offen liegt. Gott hört zu, versteht ihn. Gott fühlt mit. Gott hilft ihm weiter und nimmt sich der Dinge an, die ihn belasten. David spricht es aus und übergibt damit seine Lasten an Gott. Er kann entlastet weiter gehen, denn Gott kümmert sich.

Als Jugendlicher habe ich ein Lied oft gehört und gesungen. Da heißt es im Refrain: „Mach aus Sorgen ein Gebet, wenn du Hilfe brauchst.“ Ich werde mich niemandem anvertrauen, von dem ich nicht überzeugt bin, dass er mir helfen kann. David vertraut sich Gott an. Er weiß, Gott kann helfen. Haben Sie jemanden, dem Sie so vertrauen können? Angehörige, einen Freund, eine Freundin …. oder vielleicht auch Gott?

Ihr Pfarrer Eckehard Graubner