Ich bin bei euch

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matthäus 28,20

Liebe Leser,

bemerkenswert finde ich diese Worte schon allein deswegen, weil das die letzten Worte des auferstandenen Jesus an seine Jünger waren. Danach kehrte er zu seinem Vater in das Reich Gottes zurück. Kurz gesagt, er geht weg und sagt: Ich bleibe bei euch.

Wenn wir bei Familienangehörigen zu Besuch waren und wieder gehen, dann wollen wir ihnen zum Abschied auch deutlich machen, dass wir ihnen nahe bleiben. Das kann per Telefon sein, über soziale Medien, auch in unseren Gedanken und Gebeten oder indem wir mit ihnen vereinbaren, wann wir wiederkommen.

Jesus hat seinen Jüngern auch angekündigt, einmal sichtbar wiederzukommen. Auf diese Rückkehr von Jesus Christus warten wir noch. Wir wissen nicht, wann sie sein wird, aber wir können Jesu Zusage vertrauen, dass sie sein wird. Aber auch in der Zeit bis dahin ist Jesus, wenn auch uns nicht sichtbar, nicht wirklich weg.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage: Das haben die Jünger erfahren, als sie Jesu Auftrag folgten und seine Botschaft unter den Menschen weiter sagten, zunächst in Jerusalem und Israel, später dann auch außerhalb des Landes und im ganzen Mittelmeerraum. Sie haben erlebt, wie Menschen ein offenes Ohr und Herz für das Evangelium hatten, zum Glauben an Jesus Christus fanden und christliche Gemeinden entstanden. Sie haben es auch erlebt, als sie auf Widerstand stießen und Verfolgung erlitten. Sie haben erlebt, wie Jesus bei ihnen war und Gutes bewirkt hat und sie haben erlebt, wie Jesus ihnen auf schweren Wegabschnitten beigestanden hat, bis hin zum Märtyrertod, den alle Jünger Jesu nach altkirchlicher Überlieferung erleiden mussten.

Jesus ist da. Wir können seinen Segen und seine Hilfe in so vielen Dingen erfahren, die uns gelingen, wo wir weiter kommen, wo er Gutes schafft. Wir können seinen Beistand in der Not erfahren, wo er uns Kraft gibt oder tröstet. Wir können seine Gegenwart erfahren, wenn es zum Sterben kommt. Da können wir uns an das halten, was er uns zugesagt hat: Ich lebe und du sollst auch leben.

Für Menschen, die Jesus Christus als ihren Herrn ablehnen, ist er weit weg. Sie haben keine Beziehung zu ihm. Für Menschen, die ihn als ihren Herrn bekennen, ist er da und immer wieder erfahrbar.

Beeindruckende Zeugnisse darüber, wie Jesus bei Menschen sein kann, habe ich vor wenigen Jahren gehört, als ich mit Asylbewerbern zu tun hatte, die sich taufen lassen wollten. Einige von ihnen haben erzählt, wie ihnen Jesus Christus, von dem sie bis dahin nichts wussten, begegnet ist: als sie in einer Bibel lasen, die sie geschenkt bekommen hatten, als sie in Kontakt mit Christen kamen, oder manchen auch im Traum.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage: Nehmen wir das wahr und ernst? Bauen wir darauf?

Ihr Pfarrer Graubner