Unser Licht ist da

Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.

Jesaja 50,10

Liebe Leser, wenn Sie nachts durch ein Waldgebiet fahren, dann müssen sie besonders vorsichtig sein. Wild könnte durch das Licht Ihres Autos angezogen werden. Es weiß ja nicht, dass dieses Licht für es gefährlich ist. Wenn Sie in einer milden Sommernacht draußen sitzen und eine Kerze anzünden, dann brauchen Sie nicht lange zu warten und Insekten tummeln sich bei der Kerze. Mir selbst ging es mal so, dass ich in stockdunkler Nacht unterwegs war. Je länger ich lief umso nervöser wurde ich: Bin ich noch richtig oder habe ich mich verirrt. Da sah ich die Lichter der Häuser, wo ich hin wollte. Sie zeigten mir den Weg. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Geschichten von früher erzählen, wie Menschen nachts von Irrlichtern verführt worden sind und in ein Moor gerieten, wo sie erstickten. In der Not hält man sich an jedes Licht, aber nicht jedes Licht führt in der Not oder aus ihr heraus. „Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels“, sagen wir, wenn wir die Hoffnung haben, dass eine schwierige Situation bald zu Ende ist. Wir reden von „Licht“ und meinen damit, dass es uns bald besser geht. Manchmal setzen wir unsere Hoffnung auf „Lichter“, die aber unsere Erwartungen nicht erfüllen können: Der Arzt, der uns wieder gesund machen muss - aber nicht in jedem Fall können Ärzte das. Der Politiker, der endlich die Dauerprobleme in unserem Land löst - aber nicht immer schafft er es. Zu hohe Erwartungen an Einzelpersonen führen im Gegenteil manchmal dazu, dass Menschen als Politiker gewählt werden, die am Ende dem Volk nicht gut tun. Oder der Firmenchef, der das Unternehmen schnell nach vorne bringen soll - es geht aber nicht so schnell, weil das nicht nur von seinem Können abhängig ist. Oder der Pfarrer, der die Gemeinde zu mehr Leben erwecken soll - aber ohne den heiligen Geist funktioniert das auch nicht. Ich erlebe immer wieder, dass wir auf Menschen in Führungsverantwortung zu hohe Erwartungen setzen und dann enttäuscht sind, wenn sie sie nicht erfüllen. Die „dunkle Jahreszeit“ hat wieder begonnen. Und in den Fenstern gehen die Advents- und Weihnachtslichter an, Adventssterne, Lichterbögen. Diese Lichter helfen uns, die dunklen Tage leichter zu ertragen. Denn manche Menschen belastet die Dunkelheit auch seelisch. Diese Lichter haben für Christen aber noch eine tiefere Bedeutung. Jesus Christus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis leben, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12) Die Advents- und Weihnachtslichter sagen uns: Unser Licht ist da. Wir freuen uns, dass Christus geboren wurde, dass Gottes Sohn in die Welt gekommen ist, dass er mit uns geht, dass er das Licht in unserem Leben ist. Oder hat Jesus Christus auch schon Erwartungen von Ihnen enttäuscht, ihre Bitten nicht erhört und geholfen, wie Sie es sich erhofft hatten? Entscheidend ist nicht, dass Jesus Christus uns alles erfüllt, was wir erhoffen. Entscheidend ist, dass er mit uns durchs dunkle Tal geht, uns auf dem Weg führt. Wie hilfreich ist es doch, wenn jemand bei uns am Krankenbett sitzt. Das tröstet oft mehr als alles gute Mühen des Arztes. Wie viel hilfreicher ist es, zu wissen, dass Jesus Christus uns durch unser Leben begleitet. Wenn wir uns auf ihn verlassen, dann leben wir in seinem Licht. Dann können uns Gefahren und Nöte nicht wirklich erschrecken. Wenn wir uns im Leben auf ihn verlassen, dann wird am Ende des Tunnels, des Todes, Licht sein. Er führt uns in das Licht seiner Ewigkeit, wo wir leben werden. Dort gibt es kein Dunkel mehr. Es grüßt Sie herzlich Ihr

Pfarrer Eckehard Graubner