Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht

Liebe Schwestern und Brüder!

Erinnern Sie sich noch an den 13. August 1961? Es war ein dunkles und trauriges Kapitel in der deutsch-deutschen Geschichte. Auf Befehl des totalitären Regimes des Unrechtsstaates DDR wurde die Mauer gebaut und die Grenze zwischen Ost und West hermetisch abgeriegelt, mit Selbstschussanlagen und Schießbefehl. 28 Jahre zerschnitt diese unmenschliche und verachtungswürdige Grenze unser deutsches Vaterland. Menschen wurden ihrer Heimat beraubt und zur Umsiedlung gezwungen, grenznahe Häuser und sogar ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Familien wurden zerrissen, Freunde getrennt. Viele Menschen, die in die Freiheit wollten, verloren ihr Leben. Erinnern wir uns noch daran? Mittlerweile sind 35 Jahre ins Land gegangen, als sich die Grenze öffnete und die Mauer fiel. Was für ein großes Wunder durften wir damals 1989/90 erleben! Gott sei Dank!

Ein ganz anderes Datum war der 13. August 1727. In der Berthelsdorfer Kirche in der Oberlausitz fand eine große Abendmahlsfeier statt. Hier erlebten die Menschen aus Herrnhut – dieser Ort wurde vor 300 Jahren von mährischen Glaubensflüchtlingen gegründet – eine wunderbare Einheit im Geist Gottes. Das war die eigentliche Geburtsstunde der Herrnhuter Brüdergemeine. Sie wussten sich nun durch Jesus Christus, ihren Herrn, zu einer festen Gemeinschaft verbunden. Die Bibel gab ihnen Wegweisung und Orientierung.

Die 1961 gebaute Mauer ist gefallen. Nur noch ein paar Gedenkstätten und Gedenkorte erinnern heute an dieses unmenschliche Kapitel deutscher Geschichte. Die Brüdergemeine Herrnhut, die vor 300 Jahren gegründet wurde, hat alle Wirren der Geschichte überstanden und alle Zeiten und Herrschaften überlebt. Heute gehören zur weltweiten Brüder-Unität etwa eine Million Mitglieder. In Deutschland ist die Herrnhuter Brüdergemeine eine evangelische Freikirche mit etwa 7000 Mitgliedern in 16 Gemeinden.

Nichts hat für immer Bestand. Nichts, was Menschen bauen, schaffen oder anhäufen. Alles verrinnt im Fluss der Zeit. Dr. Theo Lehmann schrieb 1982 in einem Lied: „Die Mächtigen kommen und gehen, und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt.“ Deshalb gibt es die Kirche bis heute. Deshalb gibt es die Herrnhuter Brüdergemeine bis heute. Weil ihr Fundament auf Christus ruht, dem auferstandenen und lebendigen Herrn. Weil sie ihm im Glauben und in der tätigen Nächstenliebe nachfolgen. Weil ihr Maßstab die Bibel mit dem darin enthaltenen Gotteswort ist. Das alles garantiert ewigen Bestand. Es überwindet Mauern und Grenzen, überlebt Mächtige und Gewaltige, überdauert Herrschaftssysteme, Ideologien und Weltanschauungen und übersteht auch Krisen jedweder Art.

Deshalb ist es gut, wenn auch wir unser Leben auf diesem Fundament aufbauen, auf Jesus Christus, dem lebendigen Herrn. Wenn auch wir die Bibel mit dem darin enthaltenen Gotteswort zum Maßstab unseres Lebens machen. Wenn wir mit und daraus leben. So wie es in einem alten Gebet heißt: „Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ Psalm 119, 105

So wünsche ich Ihnen und Euch eine gesegnete Zeit. Es grüßt Sie und Euch herzlich

Pfarrer Michael Goll