Die Weihnachskrippe

Die Weihnachtsgeschichte von den Schnitzern bildhaft nacherzählt.
Über die Entstehung der Weihnachtskrippe mit lebensgroßen Figuren In der Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ In Falkenstein

Maria und Josef Geboren wurde die Idee, eine Krippe mit lebensgroßen Figuren während der Advents- und Weihnachtszeit in unserer Kirche aufzustellen, schon vor langer Zeit. Pfarrer Helfried Gneuß und seine Frau gaben dazu die Anregung. Was lag näher, um dieses Vorhaben zu verwirklichen, als die Schnitzer der Falkensteiner Schnitzgruppe von dieser Idee zu begeistern. Doch es war klar, dass so ein großes Vorhaben nur als Gemeinschaftswerk der Schnitzgruppe entstehen konnte. Es sollten allerdings noch viele Jahre vergehen, bis die Herstellung der Krippenfiguren Wirklichkeit wurde.

Das Christkind Viele Vorbereitungen waren notwendig, um im Frühjahr 1998 die Arbeiten an den Figuren zu beginnen. In diesem ersten Jahr sollten Maria, Josef und das Christuskind entstehen sowie die Krippe und der Stall gebaut werden. Die Figuren sind nicht ganz aus Holz geschnitzt, sie wären zu schwer für einen Transport auf den Turmboden nach der Weihnachtszeit. So wurde entschieden, den Kopf mit Hals, die Hände mit Armansatz sowie die Füße mit Beinansatz zu schnitzen. Die Bewegungs- und Verbindungselemente bestehen aus einem Rohrgestell.

Die Krippenfiguren wurden mit richtiger Kleidung - der Zeit entsprechend - angezogen. Da ja alles in Lebensgröße geschnitzt werden sollte, wurde viel Holz gebraucht.

Ein Schnitzer spendete für diese Arbeiten einen Stamm geschnittenes Lindenholz in verschiedenen Stärken, welches er schon viele Jahre in seinem Garten gelagert hatte.

Für die Köpfe wurde eine Holzstärke von etwa 25 bis 30 cm und eine Länge von 50 cm gebraucht. Eine schwierige Aufgabe! Dafür wurden von den Schnitzern Pfosten mit einer Stärke von 8 bis 10 cm gehobelt, geschnitten und jeweils 3 Stücke Kernholz mit Kernholz bzw. Splintholz mit Splintholz zusammengeleimt und gepresst, um eine spätere Rissbildung zu vermeiden. Ottmar Heckel, unser Vereinsvorsitzender, hatte hauptsächlich die Schnitzarbeiten übernommen. Er hatte schon Zeichenentwürfe von den Köpfen Marias und Josefs angefertigt. Mit der Kettensäge wurde die Form grob zugeschnitten und dann mit Bildhauerklüpfel und Eisen bearbeitet und geschnitzt. Hände und Füße wurden aus je einem Stück gearbeitet. Schön sehen sie aus, die Köpfe von Maria und Josef! ein 'König' im Sommerquartier Aber Jetzt mussten sie als Figuren entstehen. Einhalb Zoll Eisenrohr soll ihre Bewegung ermöglichen. Schnitzer wurden als Modellvorlagen in Position gebracht - „Maria“ kniend und „Josef“ stehend. Reiko Dürr bog und schweißte die Rohrstücke zusammen. Viele Schnitzer halfen mit. Es war, als ob zwei große Strichmännchen entstanden. Nun wurden die Hände, Füße und Köpfe angebohrt und zur Probe auf die Eisenenden gesteckt. Ein großes Stück war geschafft. Das Christkind wurde ganz aus einem geleimten Stück Holz geschnitzt, nur die Arme wurden angesetzt. Als Modell diente Ottmar Heckel eine alte Zelluloidpuppe. Nun mussten die geschnitzten Teile noch bemalt werden. Wolfgang Seifert tat dies mit Temperafarben und ruhiger Hand. Mit Mattlack überstrichen sehen sie aus wie echt. Jetzt konnten Maria und Josef als Figuren fertiggestellt werden. Die Köpfe, Hände und Füße auf die Gestelle gesteckt, erfolgte nochmals eine Überprüfung der Bewegung und Blickrichtung. Mit Dämmwolle und Klebeband wurde ihnen die Körperfülle gegeben. Frau Gneuß hatte Tage vorher Maß genommen und schneiderte nun fleißig die Kleidung für die Krippenfiguren. Maria bekam einen roten Rock, der das Leiden Christi versinnbildlicht, ein blaues Tuch über den Kopf und die Schultern, welches Christi Herkunft vom Himmel zum Ausdruck bringt. Josef ist erdfarben gekleidet. Aber noch waren die Figuren im Keller des Wilhelm-Adolph-von-Trützschler-Gymnasiums, unserem Schnitzerdomizil.

Am 1. Advent sollte die Heilige Familie der Gemeinde Falkenstein in einem Familiengottesdienst vorgestellt werden. Pfarrer Helfried Gneuß hatte eine „feierliche Enthüllung“ der Figuren geplant. Im Altarraum wurden Maria, Josef und das Christkind mit Krippe und viel Stroh aufgebaut und mit Tüchern zugehängt. Jedes Gemeindemitglied war gespannt, was darunter versteckt sei, vor allem die Kinder. Als die Tücher feierlich fielen, war großes Erstaunen und viel Applaus der Lohn unserer Arbeit. Pfarrer Helfried Gneuß berichtete über die Entstehung der Figuren und erzählte erfreut, dass es ein Geschenk der Schnitzer an die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Falkenstein sei.

Die komplette Krippe sollte bis zum 4. Advent in der Gefallenen-Ecke der Kirche aufgestellt werden. Wolfgang Seifert baute aus vielen Brettern und Pfosten einen großen, aber leicht zu montierenden Krippenstall. Viel Arbeit gab es noch bis zur Fertigstellung der Krippe. Es wurde eine Laterne mit elektrischer Beleuchtung gebastelt, und Strahler zur richtigen Beleuchtung der Krippenfiguren mussten besorgt werden. Eine Futterraufe wurde gezimmert, ein Mauersegler vom Lehrmittelkabinett des Gymnasiums geliehen und Sichel, Rechen. Heugabel, Heu und Stroh zusammengetragen. Am 4. Advent war alles fertig aufgebaut, und es war ein prächtiges Bild, die Weihnachtsgeschichte so zu sehen.

Doch der Krippenbau ging weiter. Im Jahr 1999 entstanden die Figuren der Heiligen Drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar, zwei stehend und einer kniend. Die Namenszuordnung zu den Königen ist geschichtlich nicht geklärt. Die Könige wurden genauso hergestellt wie bei Maria und Josef schon beschrieben. Zwei Könige bekamen eine geschnitzte Krone. Viele Wege waren notwendig, um die richtigen Stoffe für die Gewänder zu bekommen, sollten sie doch festlich aussehen, mit Borden und Spitzen besetzt. Da für den Mohr keine Kopfbedeckung aufzutreiben war, bekam er erstmal eine Art Turban geschneidert. Später fertigte Refko Dürr mit viel Geschick einen richtigen Turban an - aus 8 m langem und 50 cm breiten weißen Stoff. An der Stirnseite des Turbans wurde noch ein grün gefasster „Edelstein“ befestigt. lauter Mäuse Jeder König erhielt Schmuck und ein Geschenk in die Hand, der Mohr sogar Ohrringe. Karl-Heinz Zeitler drechselte ein großes Weihrauchgefäß, welches auch richtig funktioniert, und ein König hält es in der Hand. Der kniende König bekam eine Schatulle und der Mohr einen „goldenen“ Becher. Gerade rechtzeitig zur Adventszeit war alles fertig geworden und die Krippe wurde erweitert aufgebaut. Stroh erhalten wir jedes Jahr von einem Bauern aus Rempesgrün. Kleine Fellmäuse wurden besorgt und belagern nun die Futterraufe, was die echten Kirchenmäuse bestimmt sehr überraschte.

die Hirten Noch fehlten die Hirten, die unbedingt zur Weihnachtsgeschichte gehören. Ein Hirte und ein Hirtenjunge entstanden im Jahr 2000. Besonders viel Arbeit machte der Hirtenjunge. Er sollte mit kurzen Sachen angezogen werden. Deshalb bekam er die Füße und Beinansätze bis zu den Waden und die Hände mit Unterarmen geschnitzt. Ein Hirtenstab für den großen Hirten entstand mit gekrümmtem Ende, um entlaufene Schafe einzufangen. Frau Gneuß schneiderte und strickte, sogar eine Hirtentasche aus Ziegenfell entstand. Man spürte bei allen Beteiligen die Freude an der Arbeit und die Liebe am Detail.

ein Schaf 2001 wollten wir Schnitzer noch zwei Schafe für das Krippenensemble fertigen. Die Schafe machten bei der Herstellung genau soviel Arbeit wie die Krippenfiguren. Mit den Rohrgestellen wurde wieder die Bewegung der Schafe nachgestaltet. Ein Schaf hält den Kopf hoch und ein Schaf beugt den Kopf nach unten. Die Schafbeine und die Schafköpfe wurden geschnitzt, genauso wie die Ohren, welche man herausnehmen kann, um sie beim Auf- und Abbau der Krippe zu schützen. Nachdem die Holzteile bemalt worden waren, wurden die Schafe zusammengesetzt und die Körper mit Dämmwolle wieder In Form gebracht. Unser Falkensteiner Kürschnermeister Manfred Kuntze hatte sich bereit erklärt, die Schafe mit echtem Schaffen zu „bekleiden“. So brachten wir die beiden Schafe zu Ihm Ins Geschäft, wo er sichtlich überrascht war, was für eine Menge Fell so ausgewachsene Schafe benötigen. Nach ein paar Tagen tüfteln und werkeln konnten wir die Schafe bei Kürschnermeister Kuntze abholen. Er machte seine Arbeit und die Felle zum Geschenk an die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Falkenstein. Die Schafe sind ganz wunderbar gelungen. Nach dem Aufstellen der Krippe In der Adventszeit können sie nun bestaunt werden und die Kinder dürfen sie auch mal streicheln.

Nun war die Krippe eigentlich komplett bis auf den Stern. Ein weißer original Herrenhuter Adventsstern zeigt nun ab der Adventszeit 2002 den Weg zur Krippe. Steffi Polomsky vom Seidenblumenladen in Ellefeld hatte für uns zwei Palmen bestellt. Sie geben den beiden Hirten auf der linken Seite einen schönen Abschluss. Wer genau zum Stall schaut, kann sogar noch zwei Spinnennetze entdecken mit „echten“ Spinnen darin.

Wir wünschen der Gemeinde der evangelisch lutherischen Kirche, natürlich den Falkensteinern und allen Gästen Besinnung und viel Freude beim Betrachten der Krippe.

Andreas Rößler, Schnitzverein Falkenstein e.V.


Die Schnitzer 2001 im Rathaussaal Falkenstein vor ihrer Krippe