Gerechtigkeit

So spricht der Herr: Wahrt das Recht und sorgt für Gerechtigkeit; denn bald kommt von mir das Heil, meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren.

Jesaja 56,1

Bei vielen großen Rockkonzerten gibt es ein Vorprogramm, das zumeist von unbekannten Bands gestaltet wird. Sie geben sich viel Mühe, manche sind vielleicht gar nicht schlecht, aber sie werden kaum ernst genommen. Denn sie sollen ja nur die Zeit bis zum Auftritt der Stars überbrücken. Würden Sie gern in einem solchen Vorprogramm auftreten wollen? Mir scheint das eine undankbare Aufgabe: das beste, was man dem Publikum bieten kann, ist der letzte Ton. Denn dann folgt das Eigentliche. Beim ersten Lesen erinnert mich der Monatsspruch für November an solche Konzerte. Wenn sich viele Menschen in dieser Welt um Gerechtigkeit mühen, als Eltern, als Lehrer, als Vorgesetzte, als Politiker, als Entwicklungshelfer und vieles andere mehr, ist das dann nur das Vorprogramm? Denn das eigentliche kommt doch erst noch: Gottes Gerechtigkeit. Wird sie nicht alles menschliche Bemühen als stümperhaft und wie ein Laienspiel aussehen lassen? Ist es dann nicht besser abzuwarten als sich im täglichen Klein-Klein zu verausgaben für Chancengleichheit, für eine bessere Verteilung der Güter dieser Erde, für eine Gesellschaft, in der sich nicht immer nur die Reichen durchsetzen? Nein!

Wir haben die Aufgabe, für Gerechtigkeit zu sorgen, nicht unbedingt gleich in der ganzen weiten Welt, sondern an dem Platz, wo Gott uns hingestellt hat. Gerade dort fällt es uns in der Regel am schwersten. Sorgt für Gerechtigkeit! Das heißt im Konkreten: Achtet darauf, dass eure Lebensgewohnheiten und eure Ziele die Menschen an eurer Seite nicht einengen! Wo ihr Entscheidungen zu treffen habt, nehmt die Menschen ernst, die davon betroffen sind! Gewährt die gleichen Chancen, die ihr für euch fordert, auch den anderen!

Das ist kein Vorprogramm, sondern eine Vorschau, eine Vorschau auf die erneuerte Schöpfung Gottes. Die kommende Gerechtigkeit Gottes ist keine andere als die, zu der wir heute schon aufgerufen sind. Wir sollen Vorboten einer Welt in Frieden und Gerechtigkeit sein. So wie die aufgehende Sonne ihr Licht vorauswirft, will Gottes Zukunft hineinleuchten in unser Heute. Je mehr wir Christen uns an dieser kommenden Gerechtigkeit orientieren, desto mehr wird sich die Schöpfung Gottes schon hier und heute durch uns verändern. Göttliche und menschliche Gerechtigkeit sind keine Gegensätze, vielmehr ist letztere die Frucht der ersteren. Sorgt für Gerechtigkeit, weil Gottes Gerechtigkeit im Kommen ist.

Durch euch und mit euch! Mit den besten Segenswünschen Ihr

Pfr. z.A. Dr. Thomas Knittel