Suchet mich, so werdet ihr leben

Gott spricht: „Suchet mich, so werdet ihr leben“

Amos 5,4

Je älter ich werde, desto öfter stelle ich fest, dass mir wieder mal irgendetwas abhanden gekommen ist. Und dann ist jedes Mal Suchen angesagt!

Aber auch uns als deutschem Volk scheint mit der Zeit ganz Entscheidendes abhanden gekommen zu sein! Zugegeben, in vielen Dingen geht es uns gut. Wir haben seit Jahrzehnten Frieden. Seit zwanzig Jahren können wir fast grenzenlos reisen. Wir haben bessere Straßen bekommen, die Städte sind schöner geworden, die Wohnverhältnisse der meisten haben sich verbessert, unsere Klos sind fast so schön wie die Küchen. Aber wenn man die Gesichter der Menschen anschaut, dann ist darin wenig Freude und Zufriedenheit zu finden, und in den Häusern ist viel Not. Unserer jungen Generation steht die Welt offen und sie hat Bildungschancen, von denen wir früher nicht zu träumen wagten. Aber vielen von ihnen sind ethische Werte wie Treue, Verlässlichkeit und Gottesfurcht fremd. Sie wissen nichts von den zehn Geboten oder davon, dass sie Gott für ihr Leben verantwortlich sind. Das alles hat eine Ursache: Unser Land hat Gott verloren!

Aber wir Christen wollen nicht mit dem Finger auf „die da draußen“ zeigen. In unserem Amoswort redet Gott nämlich zu denen, die zu den Gottesdiensten gehen und die sich aktiv kirchlich betätigen.

Amos muss der Gemeinde vor 2700 Jahren sagen: Gott mag eure Gottesdienste und Opfer nicht, das Geplärr eurer Lieder ist ihm ein Greuel! Warum? Weil ihr frommes Leben nicht echt, sondern nur fromme Kulisse war. Weil ihnen die lebendige Beziehung zu Gott abhanden gekommen war!

Da sieht man im Theater auf der Bühne eine mächtige Burg, aber in Wirklichkeit ist es nur ein Stück bemalte Pappe. Da singt die Primadonna ihrem Partner zu: „Ich liebe dich“. Aber in Wirklichkeit ist ihr der Mann, den die ansingt, völlig egal. Ist Gott wirklich für uns so eine feste Burg, dass wir uns ihm ganz überlassen – oder ist er nur noch so etwas wie der Zuckerguss über den Kuchen, den wir uns selbst backen? Lieben wir Gott wirklich von ganzem Herzen - oder lieben wir vor allem unseren Besitz, unser Hobby und unsere Bequemlichkeit?

Wenn uns die lebendige Herzensbeziehung zu Gott abhanden gekommen ist, sollten wir sie neu suchen! Unser Monatsspruch ist ein Ruf, ihn dort zu suchen, wo er am besten zu finden ist: im Wort der Bibel und im Gebet, in Predigt und Heiligem Abendmahl. Im Jeremiabuch verspricht er uns: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“.

Es grüßt Euch herzlich Euer Pfarrer i.R. Gneuß