Die Glockengeschichte zu Falkenstein hat ihren eigenen Reiz

Eine beschaulich-vorweihnachtliche Turmbesteigung in der Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ offenbart uns viele Details aus Zeitdokumenten.

Jetzt in der Advent- und Vorweihnachtszeit leuchten schon in den frühen Abendstunden weit sichtbar zwei Kreuze vom Kranz des ca. 72 m hohen Kirchturmes der Falkensteiner ev.- luth. Kirche. Der Kranz, ein begehbarer steinerner Umgang in 43 m Höhe. wird meist nur von den Bläsern des Posaunenchores benutzt. Jeden Sonnabend, in der Sommerzeit gegen 18.45 Uhr. und in der Winterzeit gegen 17.45 Uhr, werden Choräle, Intraden, Advents- und Weihnachtslieder bis zur vollen Stunde geblasen. Besonders feierlich ist es dann, wenn ab 18.00 Uhr alle drei Glocken den Sonntag einläuten.

Der Turm ist der Öffentlichkeit leider nicht zugängig. Steile Holztreppen, enge Stellen und der Weg unter den Glocken hindurch wäre für viele eine Gefahr. Aber ich führe Sie in Gedanken einmal hinauf bis zum Kranz.

Wir treffen uns sonnabends Nachmittag vor dem 2. Advent am linken Treppenaufgang zum Turm. Es führt eine nach rechts gewendelte Granittreppe erst einmal bis zur Empore. Hier steht die Orgel. Sie ist das letzte Werk des bekannten Orgelbaumeisters Eule aus Bautzen. Sie wurde 1970 aufgestellt und besitzt 39 klingende Register in 3 Manualen mit 3180 Pfeifen. Besonders schön klingt natürlich die Orgel in der Weihnachtszeit oder beim Vesper- und Mettengottesdienst.

Steigen wir weiter die Treppen hinauf, gelangen wir an einen gewölbten Gang. der durch die l,70m starke Turmmauer führt. Wir stehen nun nach 40 Stufen in der Turmkammer. Weiter geht es hinauf, nun auf Holztreppen, und wir gelangen auf die Höhe des Kirchbodens. Hier befindet sich ein Holzverschlag. Hinter diesem liegt ein großer Blasebalg von 2x3m Grundfläche. Dieser wird von einem großen Ventilator mit Luft versorgt. Der gefüllte Blasebalg gibt beim Spielen der Orgel gleichmäßig die Luft an diese ab. Ursprünglich jedoch versorgte eine Balkentretanlage die benötigte Luft, sie befand sich anschließend im Kirchboden und war durch einen Holzkanal mit dem Blasebalg verbunden. Kirchgemeindemitglieder oder Chorknaben traten dann immer abwechselnd auf die Anlage und pumpten so die Luft in den Blasebalg, solange der Kantor die Orgel spielte oder solange die Lust zum Treten vorhanden war.

Nun ist es nur noch eine Etage und wir sind nach 125 Stufen oben bei den Glocken. Angesichts des Glockenturms interessiert uns hier bestimmt seine Geschichte.

Als am 12. August 1859 beim großen Stadtbrand auch die Kirche vom Feuer erfasst wurde, tat die Uhr 1/4 vor 9 Uhr ihren letzten Schlag. Gegen 10 Uhr stürzten die Glocken ab. Der Königl.-Sächs. Stück- und Glockengießer Große, Dresden, sicherte das geschmolzene Glockenmaterial. Er erhielt auch den Auftrag für den Guss der neuen Glocken. Diese wurden am 20. Mai 1868 geweiht und im neuen Kirchturm aufgehängt. Am 21. Januar 1894 zersprang beim Läuten zu einem Begräbnis die große Glocke. Der Umguss erfolgte durch die Glockengießerei Jauck, Leipzig. Am 18. Juli 1894 wurde die Glocke geweiht und mit den anderen zwei Glocken zum ersten Mal eingeläutet.

Ein trauriges Schicksal brachte der 2. Weltkrieg den Glocken. Per Gesetz mussten sie wegen des Bronzematerials abgeliefert werden. Nur die kleine Glocke war der Gemeinde geblieben. Diese erhielt im Jahre 1950 die ev.-luth. Kirchgemeinde in Grünbach.

Nach dem Krieg sollten neue Glocken auf den Turm. So sammelte Kirchenkassierer Rau bei den verbliebenen Falkensteiner Fabrikanten, auf den Dörfern und auch bei den „kleinen Leuten“ Geld für neue Glocken. 1946 wurden diese bereits in der Glockengießerei Schilling und Lattermann in Morgenröthe gegossen. Die Glocken sind nicht mehr aus Bronze, die Legierung des Glockenmetalls nennt man Klanghartguss. 1947 war das Lieferjahr.

Die große Glocke hängt auf dem Turm in der Mitte. Sie wiegt 31 Zentner, hat den Ton „es“. Die Inschrift: 1946 1. Joh. 2.1: Sehet welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget!

Die mittlere Glocke hängt zur Kirchenschiffseite. Sie wiegt 15 Zentner. Die Inschrift: 1946 APG. (Apostelgeschichte) 16.31: Glaube an den Herrn Jesus Christus!

Die kleine Glocke hängt rechts zur Hauptstraße hin. Sie wiegt 8,6 Zentner und hat den Ton „b“. Die Inschrift: 1946 Römer 15.13: Habt völlige Hoffnung durch die Kraft des Herrn Christus!

Die Glocken hängen einzeln schwenkbar in Eisenkonstruktionen, welche auf einem großen Balkengestell befestigt sind. Jede Glocke hat an ihrer Eisenkonstruktion eine Stange mit Öse. um das Läuteseil einzuhängen. Als es noch keinen Strom in der Kirche gab. bis 1907 oder bei Stromausfall. mussten die Glocken mit den Seilen geläutet werden. Jetzt sind drei spezielle Glockenmotore für das Läuten verantwortlich. Die Glocken erklingen nach einer festgelegten Läuteordnung. Im Glockenraum sind die Turmfenster im unteren Bereich mit Schallschlitzbrettern versehen. damit der Klang der Glocken gut nach außen dringen kann.

Nun setzen wir unseren Gang fort. Eine steile Treppe führt zur Uhrenstube. Hier können wir noch einmal einen Blick auf alle drei Glocken werfen. Die Uhrenstube erreichen wir nach insgesamt 161 Stufen. Die Uhr steht in der Mitte des Raumes. Das Uhrwerk ist Baujahr 1969 und stammt von der Firma Hahn, Zwickau. über Eisenwellen und Getriebe werden von dem Uhrwerk an allen vier Turmseiten die Uhren (nur Zifferblätter und Zeiger) angetrieben. 1996 wurde die Uhr auf Funk umgerüstet. Der vorherige Pendelbetrieb wurde durch einen funkgesteuerten Elektroantrieb ersetzt. Das Läuten der Glocken steuert eine Lauteelektronik.

Der volle Stundenschlag wird von der Uhr mechanisch gesteuert und schlägt mit einem Hammer auf die große Glocke. Frau Bley, die ehemalige Kirchnerin, erzählte mir, wie sie früher zu jedem Läuten in die Kirche ging. um die Glockenmotoren einzuschalten. Auch musste die Uhr jeden Tag in der Uhrenstube aufgezogen werden, ebenso die Gewichte der Schlagwerke.

So, nun geht es weiter hinauf. Doch wir werden von den Bläsern aufgehalten, die auf den Kranz eilen. Es dauert nicht lange. und die ersten Adventslieder erklingen. Wir steigen auch empor und erreichen nach 215 Stufen die Tür zum Kranz. Die Bläser blasen in Richtung Schlossfelsen: wir können hinausgehen. Herrlich, es „flöckelt“ etwas und die Häuser sehen so anders aus aus dieser Höhe von 43 m. Wie eine Märchenstadt liegt Falkenstein da. weihnachtlich beleuchtet. Noch wenige Minuten und die große Glocke wird 6 mal anschlagen, gleich darauf läuten die Glocken.

Wir müssen nun wieder die 215 Stufen hinunter. Hat es Ihnen gefallen?

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit.

Für Informationen bedanke ich mich bei den Damen und Herren Lisbeth Bley, Margarete Stopp, Heinz Gröpper, Jörg Schlosser, Hermann Vogel, Gilbrecht Schäl, alle aus Falkenstein, und Karl-Heinz Paul aus Morgenröthe-Rautenkranz.

Andreas Rößler, Falkenstein